Volksmusikanlässe im Muotathal

Den Haupttext zur Muotathaler Volksmusik für das Schwyzer Heft habe ich letztes Wochenende soweit abgeschlossen. Was jetzt noch kommt ist die Vernehmlassung, Korrektur, Kosmetik und allfällige Ergänzungen.

Die im Text abgehandelte Volksmusik wird nicht nur im stillen Kämmerlein gespielt und geprobt. Auch früher schon gab es Anlässe mit Publikum, an welchen die Musikanten ihr Können zeigen und die Zuhörer und Tänzer begeistern durften.
Deshalb ging ich auch dem Thema „Wichtige musikalische Anlässe früher und heute“ nach. Meine gesammelten Rechercheergebnisse und Erkenntnisse habe ich nun zusammengefasst.

Einheimische Musikanten (josef bürgler, zeitungsausschnitt aus dem boten von 9.11.76)
Einheimische spielten für Einheimische – Das erste Muotathaler Ländlertreffen 1976 im Restaurant Sonne
(Bildquelle: Josef Bürgler, Zeitungsausschnitt aus dem Bote der Urschweiz von 9.11.1976)

Wichtige musikalische Anlässe früher
Im Muotathal wird um 1608 von einer öffentlichen Tanzdiele im Wil gesprochen und immer wieder ist das Thema auch Gegenstand von Ratsprotokollen. Im November 1791 wurde ein gewisser Anton Gwerder von Muotathal vor den Rat in Schwyz zitiert, weil er zu verbotener Zeit getanzt und auch andere dazu aufgemuntert hatte. Die letzte öffentliche Tanzdiele stand noch 1850 bei der Kirchenbrücke.

Das Tanzen war später auf einige wenige bewilligungspflichtige Tanztage beschränkt. Dies waren vier Fasnachtstage, die Muotathaler Chilbi, und die beiden Viehmärkte im Herbst.
Wer sich nicht daran hielt, machte sich vor dem Gesetz strafbar. Nicht selten fanden deshalb sogenannte „Schloffätänz“ im privaten Bereich statt, meist in einem entfernt liegenden Bauernhaus und natürlich illegal. Der ausschweifende Lebenswandel an Tanzanlässen, verbunden mit kräftigem Alkoholkonsum, war nicht nur der Behörde, sondern auch der Geistlichkeit ein Dorn im Auge. Noch in den 1950er Jahren wurden solche „armen“ Sünder von der Kanzel herab mit Worten gegeisselt und mussten „uusächnüüä“.

Tanzveranstaltungen in den Wirtshäusern hatten später eine ganz bestimmte Ordnung einzuhalten. Bis gegen Ende der 1940er Jahre war das Tanzschenkerwesen mit dem „Räschtlitanz“ üblich. Der Tanzschenker stellte die Musikanten an und entlöhnte sie. Er heuerte auch die Tanzschenkermädchen an, und hatte für die Einhaltung der Tanzordnung zu schauen. Sobald die Paare auf der Tanzdiele standen, ging der Tanzschenker mit der Mütze herum und zog das Geld für den nächsten „Rascht“ ein. Um 1940 waren dies meistens 50 Rappen. Ein „Räschtli“ bestand in der Regel aus sechs bis neun Tänzen.

In den 1970iger-Jahren gab es bereits eine Lockerung mit zusätzlichen Tanztagen während der Fasnachtszeit, Tanz am „Buuräabig“ und an „Nachhelligä“ (Pfingsten, Ostern und Weihnachten).
Die „Schloffätänz“ wurden hinfällig, als anfangs der 1980iger-Jahre die offiziellen Tanztage wegfielen.

An der Muotathaler Chilbi war früher auch Musik und Tanz. Irgendwann anfangs der 1980iger-Jahre gab es keine Tanzanlässe mehr zur Muotathaler Chilbi. Da zur gleichen Zeit die Schwyzer Chilbi stattfindet, nahm das Interesse an der Muotathaler Chilbi ab.
Seit 1968 gibt’s die Hinterthaler Chilbi, an welcher jeweils viel Ländlermusik zu hören ist.

Anfangs der 1970iger Jahre führte Fredy Zwimpfer jährlich ein Ländlertreffen im Restaurant Sternen durch. Fredy Zwimpfer lud dabei Formationen aus der ganzen Schweiz ein. So traten unter anderem Carlo Brunner, Fritz Dünner, Willy Valotti oder auch Hans Aregger auf.
Als Fredy Zwimpfer 1977 gestorben ist, wurde dieser Anlass im Jahr 1978 von seinen Töchtern noch einmal durchgeführt.
Zum Gedenken an Fredy Zwimpfer wurde im April 2014 ein Fredy Zwimpfer-Gedenkabend im Restaurant Sternen durchgeführt.

Von 1976 bis 1979 fanden vier Muotathaler Ländlermusiktreffen im Restaurant Sonne statt. Dabei nahmen jeweils viele Muotathaler Ländlermusikanten teil. Der Initiator und Organisator war Josef Inderbitzin („Sunnäwirt“). Anzutreffen waren an den vier Treffen auch auswärtige Muotathaler Musikanten wie Josef Betschart („Bertholdä Seffi“) und Paul Betschart („Zinglä Gändler“). Es haben jeweils auch Musikanten aufgespielt, welche man sonst eher selten öffentlich musizieren sah.

Im Jahr 2007 (5. und 6. Mai) fand beim Restaurant Sonne die Muotathaler Musikanten-Stubete statt. An diesem Anlass wurde musikalisch den sieben berühmtesten Muotathaler Komponisten (Leo Schelbert, Anton Betschart, Fredy Zwimpfer, Franz Schmidig senior, Cäcilia Schmidig-Schmidig, Josef Heinzer und Kari Suter gedacht.

Das spontane Adhoc-Musizieren gibt es heute nur noch ganz selten. Früher war das in den Restaurants Rössli, Sonne, Schwert oder Schlüssel gang und gäbe.

jakä toni+fredy zwimpfer (josef bürgler, aus einem älteren zeitungsausschnitt)
Fredy Zwimpfer (links) und Anton Betschart (Jakä)
(Bildquelle: Josef Bürgler, aus einem älteren Zeitungsausschnitt)

Wichtige musikalische Anlässe heute
Der Muotitaler Ländlersunntig wurde vom Verein Giigäbank ins Leben gerufen, und findet seit 2008 nun jedes Jahr am letzten Sonntag im Jahr statt. Dabei treten diverse einheimische Formationen auf.
Die beiden Viehmärchte, die Hinterhaler Chilbi und der Bisistaler Schafmärcht sind wichtig geblieben für die Volksmusik. Damit die Tradition der Muotathaler Chilibi trotzdem ein kleines Stück weiterlebt gibt’s heute in der Kirche jeweils ein volkstümliches Konzert mit Kirchenorgel, Jutz und anderen Instrumenten.

Im Restaurant Alpenrösli gibt es regelmässig volkstümliche Anlässe, wie an der Fasnacht, an den beiden Viehmärkten, oder der beliebten „Rosmarie-Stubete“. Jeden Dienstagnachmittag spielt zudem die „Sunnä-Musig“ auf.
Im Restaurant Fluhhof ist regelmässig „Stubete“, und von November bis Mai ist jeder Samstagabend Ländlermusik. Die Musikanten und deren Formationen sind nicht nur vom Tal, sondern von verschiedenen Orten aus der Schweiz. Das Programm und die Anlässe werden von Louis Bürgler („Fritschä“) organisiert.
Im Alprestaurant Roggenloch ist während den Sommermonaten jeder Sonntag Ländlermusik zu hören. Das Wirtepaar organisiert die Anlässe, an welchen jeweils einheimische, aber auch auswärtige Ländlermusikanten und Formationen spielen.
Im Restaurant Sternen gibt es auch heute noch einige volkstümliche Anlässe und „Stubeten“.
An Anlässen wie dem Alpkäsemarkt oder dem Muotathaler Theater ist jeweils auch viel Ländlermusik zu hören.

Der Verein „Giigäbank“ führt regelmässig Anlässe unter dem Motto „Luschtig tönts vom Giigäbank“ durch. Dabei wird einheimischen Komponisten und Musikanten gedacht.

franz paulis märtel und gändlers xaveri (josef bürgler)
Martin Rickenbacher (z’Franz Paulis Märtul, links) und Xaver Betschart (Gändlers)
Bildquelle: Josef Bürgler

Die eingangs erklärten Tanzbräuche habe ich auszugsweise aus dem Zirk-Beitrag „All’s driuusä, wo Bei hed! – Tanzen und Tanzbräuche im Wandel der Zeit“ von Peter Betschart (Baschämärtuls) übernommen.
Die heutigen Bilder sind von Josef Bürgler (Fritschä), welche er mir freundlicherweise per Email zuschickte. Herzlichen Dank!

Das erste Bild, ein Zeitungsausschnitt, steht stellvertretend für Auftritte der älteren Volksmusikanten-Garde vom Muotathal. Beispielsweise Predigers Joseb: Der Mann war mit seinen 80 Jahren noch voll im Saft! Leider habe ich den legendären Geiger nie spielen gehört, ich erinnere mich aber an ihn. Ich war damals noch ein Kind, und er für mich ein bärtiger sowie weisshaariger und alter Mann.

Heute, fast vierzig Jahre später, realisiere ich, was alles hinter diesen „alten“ Leuten steckte.
Später, im jungen Erwachsenenalter besuchte ich öfters meine Grosseltern und hörte ihnen stundenlang zu. Aber erst heute realisiere ich: Ihre Erzählungen von früher hatten viel Tiefe. Ich stelle fest, dass mich die alten Geschichten meiner Vorfahren wirklich interessieren.
Deshalb werde ich nach Abschluss meiner Arbeiten zur Muotathaler Volksmusik auch weiterhin alten Muotathaler Geschichten nachgehen. Ideen dazu sind bereits vorhanden.

feldwaldwiesenblogger

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